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Tutorial #5

Untersuchung und Kontrolle von Metriken

Nach der Erzeugung der Zeichenformen müssen als nächstes die Abstände zwischen den Zeichen ermittelt werden. Der Abstand zwischen je zwei Zeichen besteht aus zwei Komponenten, dem Raum nach dem ersten Zeichen und dem Raum nach dem zweiten Zeichen. In Schriftsystemen die von links nach rechts gelesen werden, heissen diese rechtsseitige Führungsschiene und linksseitige Führungsschiene.

Die linksseitige Führungsschiene kann einfach verändert werden, indem mit Bearbeiten->Alles auswählen (in der Umrissansicht) alle Elemente ausgewählt und diese dann mit der Maus an die gewünschte gezogen werden. Die rechtsseitige Führungsschiene kann eingestellt werden, in dem man die Schrittweitenlinie auswählt und an die gewünschte Position bringt.

Allerdings ist es im allgemeinen besser, die Metriken nicht für jedes einzelne Zeichen isoliert zu betrachten, sondern das Zeichen im Kontext mit anderen Zeichen zu sehen und aus dieser Perspektive die Einstellungen vorzunehmen. Dazu wird der Befehl Fenster->Öffne Metrikfenster aufgerufen.

Alle Zeichen, die bei Aktivierung dieses Befehls in der Schrifsatzansicht ausgewählt sind, werden auch in der Metrikansicht angezeigt. Man kann die angezeigten Zeichen verändern, indem entweder das Eingabefeld oben in der Ansicht verwendet wird, oder indem ein Zeichen aus der Schriftsatzansicht in das Fenster gezogen wird.

In dieser Ansicht können die Zeichenmetriken angepasst werden, indem die unteren Eingabefelder verwendet werden, alternativ kann ein Bildzeichen ausgewählt und verschoben werden, um die linksseitige Führungsschiene anzupassen bzw. die Breitenlinie verschoben werden, um die rechtsseitige Führungsschiene zu verändern.

Um einen Schriftsatz im "Schreibmaschinenstil" zu erzeugen (alle Zeichen haben die gleiche Breite), wird zunächst Bearbeiten->Alles auswählen in der Schriftsatzansicht ausgeführt und danach Metriken->Breite setzen. Diese Aktion setzt die Breiten aller Zeichen auf den selben Wert. Danach können mit Metriken->In Breite zentrieren die linken und rechten Abstände angeglichen werden.

Falls dieser manuelle Vorgang zu kompliziert erscheint, kann auch versucht werden, mit Metriken->Autobreite automatisch Breiten an die Zeichen zu vergeben. Das Ergebnis genügt vielleicht nicht professionellen Ansprüchen, liefert aber im allgemeinen eine vernünftige Annäherung.

Vertikale Metriken

FontForge bietet Unterstützung für vertikale Metriken, die für CJK-Schriften benötigt werden. Dazu muß FontForge mitgeteilt werden, daß ein Font vertikale Metriken enthalten soll, dies geht mit Element->Fontinformation->Allgemein->Hat vertikale Metriken. Danach muss in jedem Umrisszeichen VMetriken in der Layerpalette aktiviert werden.

Es sollte nun eine vertikale Schrittgrößenlinie unterhalb des Zeichens sichtbar sein, die genauso verschoben werden kann wie die horizontale Schrittweitenlinie.

Setzen des Grundlinie-zu-Grundlinie Abstands einer Schriftart.

Man könnte meinen, daß es einen einfachen Weg gibt, diese sehr wichtige Größe zu setzen - leider gibt es den nicht.

Für PostScript Typ1 Schriften (oder reine CFF Schriften)
gibt es keinen Weg, diesen Wert zu setzen.
überhaupt nicht, nie.
In der traditionellen Typographie ist der Zeilenabstand 1em (was in FontForge Anstieg + Abstieg des Zeichensatzes ist). Einige Anwendungen verwenden machen Gebrauch davon. Andere Anwendungen verwenden die Bounding-Box des des Zeichensatzes (die Summe aus maximaler Anstiegshöhe und minimaler Abstiegstiefe) - ein sehr schlechter, aber sehr gebräuchlicher Ansatz.
Für TrueType oder OpenType Schriften
Ist dies leider plattformabhängig
Mac
Auf einem Mac wird der Grundlinie-zu-Grundlinie Abstand wiederum durch die Bounding-Box-Werte der Schriftart bestimmt, die in der 'hhea'-Tabelle spezifiziert sind, ggf. durch eine Zeilenlücke modifiziert, welche mit Element->FontInfo->OS/2 gesetzt werden kann.
Windows
Gemäß der OpenType Spezifikation wird der Grundlinie-zu-Grundlinie Abstand durch die Werte des typografischen Anstiegs und Abstiegs der 'OS/2'-Tabelle bestimmt. Diese können mit Hilfe von Element->FontInfo->OS/2 gesetzt werden, dürften aber normalerweise den Anstieg und Abstiegswerten von FontForge entsprechen - diese summieren sich normalerweise zu 1em und entsprechen der traditionellen ungeführten Standardeinstellung.
Auch diese Einstellung kann durch ein Zeilenlückenfeld modifiziert werden.
Leider arbeiten Windows-Programme selten standardkonform (was wahrscheinlich niemanden überrascht) und im allgemeinen nutzen diese die Bounding-Box der Schriftart, wie sie in den Win Anstieg-/Abstiegsfeldern der 'OS/2' spezifiert ist.
Linux/Unix
Hier gibt es vermutlich kein Standardverhalten, Unix-Applikationen werden vermutlich eines der oben beschriebenen Verhalten implementieren.

Typografische Applikationen erlauben Benutzern, den Grundlinie-zu-Grundlinie Abstand innerhalb der Anwendung einzustellen, so daß die Voreinstellung hier wahrscheinlich weniger relevant sein wird.

Unterschneidung

Wenn die Einstellungen der linken und rechten Führung sorgsam gewählt wurden, kann die Schrift so gestaltet werden, daß die Abstände in fast allen Situationen gut aussehen. Es gibt aber immer einige Fälle, die einfache Lösungen erschweren.

So sind z.B. bei "To" oder "Av" die Standardwerte ungeeignet. Das "o" sieht besser aus, wenn es ein wenig mehr nach links verschoben wird und ein wenig unter den oberen Balken des "T" positioniert wird. Dies wird Unterschneidung genannt, und wird für die paarweise Kontrolle von Zeichenabständen verwendet.
Unterschneidung

Im oben gezeigten Beispiel zeigt die linke Abbildung den nicht unterschnittenen Text, die rechte den unterschnittenen Text. Um ein unterschnittenes Paar zu erzeugen, wird einfach auf das rechte Zeichen des Paares geklickt, die Linie zwischen den beiden Zeichen (normalerweise für die horizontale Schrittweite) sollte grün werden (und wird die unterschnittene Schrittweite). Diese Linie kann vom Anwender verschoben werden, bis das Ergebnis den Vorstellungen entspricht.

(Für einige Zeichenkombinationen ist es empfehlenswerter, eine Ligatur zu erzeugen anstatt die Zeichen zu unterschneiden)

Unterschneidungsklassen

Wenn es viele Zeichen mit ähnlichen Unterschneidungseigenschaften gibt, können diese in Unterschneidungsklassen zusammengefasst werden (z.B. könnten A, À, Á, Â, Â, Ã and Ä in der selben Unterschneidungsklasse sein).

Vertikale Unterschneidung

FontForge enthält entsprechende Unterstützung für vertikale Unterschneidung. Es kann vertikale Unterschneidungsinformation von und nach TrueType, OpenType und SVG Schriften gelesen und geschrieben werden. Es können vertikale Unterschneidungsklassen erzeugt werden. Das Metrikfenster hat einen vertikalen Modus in dem vertikale Unterschneidungspaare gesetzt werden können. Schliesslich gibt es noch einen Befehl, mit dem horizontale Unterschneidungsinformation in vertikal gedrehte Zeichen kopiert werden kann (das bedeutet, wenn die Kombination "A" "V" horizontal mit dem Wert -200 unterschnitten wurde, dann sollten "A.vert" und "V.vert" vertikal mit dem Wert -200 unterschnitten werden.

(Vertikale Unterschneidung ist nur für Schriftarten verfügbar, die vertikale Metriken haben)

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